Architektur

Das Hallenensemble am Deichtorplatz gehört zu den wichtigsten technischen Kulturdenkmalen der Stadt. Das Haus der Photographie und die Halle für aktuelle Kunst bestechen vor allem durch ihre offene Stahlglas-Architektur.

Erbaut zwischen 1911 und 1914 sind die ehemaligen Markthallen eines der wenigen erhaltenen Beispiele der Industriearchitektur, die den Übergang vom Jugendstil zu den Ausdrucksformen des 20. Jahrhunderts darstellen.

Die Deichtorhallen bilden eine Synthese zwischen Ingenieurwerk und traditioneller Baukunst: Eine offenliegende Stahlkonstruktion mit einem Grundriss, der an Kirchenbauten erinnert. So ist die nördliche Halle ein dreischiffiger Langbau mit 4.000 qm Grundfläche, die südliche Halle mit 2.300 qm ein Zentralbau mit Laterne.

Geplant wurden die Deichtorhallen vom »Ingenieurwesen der Baudeputation«, entworfen von Erik Unger-Nyborg unter dem leitenden Oberingenieur Johann Friedrich Ludwig Ferdinand Sperber.

Nachdem die Deichtorhallen jahrelang leer standen, übernahm die Körber-Stiftung die Kosten für die Restaurierung der Hallen und die Umgestaltung in eines der größten Ausstellungszentren Europas. Mit der Planung wurde der Berliner Architekt Josef Paul Kleihues beauftragt. Grundsatz der Restaurierungsarbeiten war die Bewahrung der historischen Bausubstanz. Die filigrane Glas- und Stahlkonstruktion sowie die ungewöhnliche Atmosphäre der Räume im Inneren sollten erhalten bleiben.

Die binnen elf Monaten restaurierten Hallen sowie das neu gestaltete umgebende Gelände wurden der Stadt Hamburg im September 1988 übergeben. Für den Deichtorplatz schuf Laurence Weiner eine Bodenskulptur, die Skulptur TWA von Richard Serra schließt den Platz nach Osten ab. In der nördlichen Deichtorhalle findet sich das Werk Se la forma scompare la sua radice è eterna (1989) von Mario Merz in Form eines Neonschriftzugs sowie die Blaue Scheibe von Imi Knoebel. Auf dem Deichtorplatz befinden sich zudem zwei begehbare »Sprachzylinder« von Rupprecht Matthies.

Der Umbau der südlichen Deichtorhalle zum Haus der Photographie erfolgte 2004/2005 durch den Hamburger Architekten Jan Störmer. Von November 2013 bis Februar 2015 wurde die Halle für aktuelle Kunst vom Büro Architekten Sunder-Plassmann Kappeln/Berlin von Grund auf saniert und modernisiert. Die veränderte Innenansicht sowie eine räumliche Öffnung zum Deichtorhallenplatz lässt das Gebäude insgesamt transparenter erscheinen. Dabei wurde auf Barrierefreiheit ebenso Wert gelegt wie auf flexibel nutzbare Ausstellungsflächen mit eigenen Räumen für die Kunstvermittlung. In der Halle für aktuelle Kunst befindet sich nun neben einer Buchhandlung auch ein Café mit Außenterrasse.